Geschichte

Das erste Kapitel (1949-2000)

Im Jahr 1949 wird die „Georg Margutsch Lederwarenfabrik“ in Graz gegründet. Neben Fahrzeugplanen und Antriebsriemen beschloss man auch Rucksäcke und Gürtel zu produzieren. Für den Aufbau des Geschäftsbereiches „Rucksäcke“ wird Hubert Wöllzenmüller eingestellt. Die Geschichte von Kamarg beginnt.

Hubert Wöllzenmüller an einer Stoffschneidemaschine

Der gebürtige Münchner hatte seit 1948 über die Gründung eines eigenen Rucksack-Unternehmens nachgedacht, entschloss sich aber schlussendlich für eine Angestellten-Karriere. Er entwarf das klassische Kamarg Design und war laut Berichten seiner Töchter immer auf der Suche nach der nächsten Rucksack-Innovation. Er blieb bis in die frühen Achtziger Betriebsleiter und war selbst in seiner Pension noch im Betrieb anzutreffen.

Der Name Kamarg entstand nach Aussagen von ehemaligen Mitarbeitern  aus einer Abkürzung für Kamper („KA“) und Margutsch („MARG“). Frau Kamper soll dem Eigentümer Margutsch nahe gestanden sein.

Die Werkstatt war in der Griesgasse 22 in Graz, von wo aus man den bekannten Grazer Uhrturm sehen kann, der zum wesentlichen Bestandteil des Logos der Marke wurde. Bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges war in der Griesgasse 22 die angesehene Sattlerei und Riemen-Firma „Eduard Hofmann & Co“ ansässig, die liquidiert und deren jüdischer Eigentümer Alois Blühweis verfolgt und zur Emigration gezwungen wurde.

Das Kamarg Geschäft in der Griesgasse 22 in Graz. Wer genau hinschaut, kann die Rucksäcke in der Auslage erkennen.

Kamarg verkaufte die Rucksäcke zuerst nur im eigenen Verkaufsgeschäft, schlussendlich aber auch über Sportgeschäfte. Die Marke wurde in Österreich in den 50er- und 60er-Jahren sehr erfolgreich, als das Thema Wandern und Abenteuer immer populärer wurde.

Eine Betriebsstättenprüfung im Jahr 1960 belegt die Belieferung von 2.000 Sportgeschäften in der Alpenregion, 35 Nähplätze und 33 Mitarbeiter.

Urlauber am Lichtensteinhaus, Semmering, Niederösterreich (1963)

Ende der 70 Jahre verkauft das Unternehmen 500 Rucksäcke pro Tag und hat neben Wanderrucksäcken auch Rucksäcke für Schifahrer, Angler und Bergsteiger im Programm.

Zeitungsartikel über Kamarg und Hubert Wöllzenmüller in der „Neue Zeit“ vom 12. November 1978

In den 80er-Jahren verliert die Marke aufgrund von Konkurrenz aus Deutschland und Asien an Bedeutung. Ist gibt in der Zeit mehrmals Änderungen des Logos, anstatt des grünen Logos setzt man ein schwarzes Logo (ursprünglich nur beim Jäger-Rucksack) bzw. ein Logo ohne Uhrturm ein.

Rucksackproduktion im zweiten Stock der Griesgasse 20. Links unten ein neues Kamarg Logo (ohne Uhrturm).

Das Kamarg Ladengeschäft in der Griesgasse 20 Anfang der 80er-Jahre.

Kamarg Fasching.
Kamarg Mitarbeiter gehen zu Fasching als Rucksäcke 🙂

Herbert Margutsch (links) verabschiedet Hubert Wöllzenmüller (rechts) in den Ruhestand.

Als Anfang der 90er-Jahre der Inhaber Herbert Margutsch stirbt, wird die Produktion samt Mitarbeitern an Christine Pestner verkauft, die die Marke bis ins Jahr 2000 weiterführt und dann einstellt. Die Marke fällt in einen tiefen Schlaf.

Das zweite Kapitel (2013 – heute)

Im August 2013 findet Franz Drack einen alten Kamarg Rucksack, als er den Dachboden des elterlichen Hauses im Rahmen eines Umzugs ausmistet. Der beige Kamarg war in einer Holzkiste verstaut und wurde von seinem Vater erst als Schultasche und dann zur Arbeit verwendet. Der Rucksack wurde 1953 gekauft und war immer noch voll funktionsfähig. Es gab Materialabnützungen aber nichts war kaputt. Franz reinigte den Rucksack und begann ihn als Tagesrucksack zur Arbeit zu verwenden. Vielen Kollegen und Freunden gefiel das einfache und zeitlose Design.

Es war dieser Rucksack, der Franz zum Nachdenken brachte. Er begann über all die Rucksäcke und Taschen nachzudenken, die er über die Jahre gekauft hatte, viele davon bekannte Marken. Die meisten waren längst Vergangenheit, nur selten erlebten sie trotz vorsichtiger Handhabung ihren zweiten Geburtstag. Der Reißverschluss ging kaputt, Plastikhalterungen brachen oder ermüdeten und das Obermaterial war oft nicht stabil genug. Im starken Kontrast dazu stand nun ein Produkt das knapp 62 Jahre alt und immer noch voll funktionstüchtig war. Es schien so als ob Kamargs wirklich für die Ewigkeit gemacht seien. Sie waren keine Wegwerfprodukte, sondern Begleiter. Die Idee ließ Franz danach nicht mehr los. Im Juni 2014 beschloss er der Marke wieder Leben einzuhauchen.

In einem ersten Schritt begann Franz auf Flohmärkten alte Kamargs zu kaufen bzw. Freunde und Bekannte nach deren Kamargs zu fragen. Bald führte die Spur nach Graz und Wien. Diese alten Rucksäcke waren die Basis für die Prototypen. Mit Ausnahme der Wasserfestigkeit sollte nichts, aber auch gar nichts geändert werden.

Dann folgte der Wieder-Aufbau von Kamarg Schritt für Schritt: Die Marke wurde wieder angemeldet, die Firma wurde gegründet (vorerst in Schweden) und die Arbeit an den ersten Prototypen began.

Am 6. Juni 2017 startete Kamarg schließlich auf Kickstarter, um durch Crowdfunding eine Erstproduktion zu finanzieren.


Kamarg Kickstarter Video auf Vimeo.

In nur 5h 49min war das Finanzierungsziel erreicht. Das Projekt erreichte 995 Unterstützer aus 14 Ländern und die Erstproduktion von drei Farben sowie des Regencovers konnte sicher gestellt werden.

Im Herbst 2018 zog die Firma nach Wien und die Arbeit für den Kamarg 59 begann. Parallel wurde an Accessoires wie Laptophüllen und Federpenalen gefeilt.

Die Produktentwicklung für den Kamarg 59 wurde im Sommer 2020 abgeschlossen, Ende September 2020 startet eine weitere Kickstarterkampagne, um die Erstproduktion für den Kamarg 59 zu ermöglichen.